Psychologische Strategien zur Steigerung der Lebensqualität bei M. Parkinson

Vortrag von Dr. Karin Kalteis, klinische Psychologin, Psychotherapeutin, 18. Jänner 2010

Lebensqualität:

Die Lebensqualität ist weitgehend abhängig von psychosozialen Faktoren

  • Umgang mit der Krankheit (Bewältigung)
  • soziale Kontakte
  • Depressive Stimmung
  • Angstgefühle
  • Konzentrationsprobleme

Belastungen durch die Krankheit:

werden individuell unterschiedlich wahrgenommen. Eine Befragung von über 3000 Patienten ergab, 30-40% empfanden eine geringe Belastung, 20% eine hohe Belastung, 10% eine sehr hohe Belastung, 30% hatten Problem mit der Sexualität und der Partnerschaft. 

Psychosoziale Belastungen:

darunter versteht man

  • Psychologischer Stress durch somatische (=körperliche) Symptome
  • mangelnde Effektivität
  • Angst und psychologischer Stress
  • soziale Kontakte
  • Partnerschaft und Familie

Krankheitsbewältigung:

(das betrifft jede chronische Krankheit)

  • krankheitsbezogene Alltagsbelastungen und
  • Reaktionen der sozialen Umgebung

haben einen Einfluss auf die Lebensqualität

Welche Möglichkeiten der Krankheitsbewältigung gibt es?

  • Suche nach Informationen
  • mit dem Schicksal hadern
  • verdrängen
  • kämpfen
  • auseinandersetzen und akzeptieren

Jeder hat seinen ganz persönlichen Umgang mit der Krankheit!

Phasen der Krankheitsbewältigung:

1. Phase: Diagnosestellung

2. Phase: Sichtbarwerden der Symptome

3. Phase: Auftreten deutlicher Beeinträchtigungen

Zu Phase 1

  • Überwindung des Diagnoseschocks und Akzeptanz der Erkrankung
  • entlastende Gespräche
  • Verminderung von Angst
  • Informationen über die Krankheit

Hilfe durch: Akzeptanz von Veränderungen

Zu Phase 2

  • soziale Stigmatisierung, Veränderung der Kontroll- und Leistungsfähigkeit
  • Vermeidung von sozialem Rückzug

Hilfe zur Selbsthilfe: um eine physische und psychische Stabilisierung zu erreichen (z.B. Stressbewältigung sowie ein aktiver Umgang mit den Krankheitssymptomen)

Zu Phase 3

  • steigender Kontrollverlust, emotionale Instabilität, Angst vor Pflegebedürftigkeit

Hilfe durch: bewusste, flexible Gestaltung des Alltags. Förderung von Aktivitäten, Akzeptanz von Hilfeleistungen, Erhalt der Selbständigkeit    

Stressreaktionen:

  • Bewertung: wenn wir innere oder äußere Ereignisse als bedrohlich bewerten
  • emotionale, somatische Reaktionen und Änderung des Verhaltens
  • Umgang mit Stress (Bewältigung)

Der Teufelskreis, der bei Stress entsteht:

  • stresserhöhende Gedanken und Selbstanweisungen
  • Anspannung, Ärger, Angst
  • körperliche Anspannung
  • Verstärkung der Parkinson-Symptome

Beispiele für die positive/negative Kraft der Gedanken:

Furchtbar meine Hände zittern so stark. Es macht nichts, wenn meine Hände zittern. Es ist in Ordnung nervös zu sein.

Alles wird schlechter werden.  Momentan geht es mir gut.

Unterschiede bei der Bewältigung:

Positiv gestimmte Patienten

  • vermindern gezielt negative Gedanken
  • können die Krankheit mit Humor betrachten
  • sind überzeugt, dass die Einstellung die Krankheit beeinflusst
  • sind überzeugt, dass es Schlimmeres gibt

Negativ gestimmte Patienten

  • befürchten weitere körperliche Einschränkungen
  • fühlen sich durch verminderten Antrieb belastet
  • fühlen sich frustriert
  • beklagen, dass selbst für einfache Aktivitäten eine große Anstrengung nötig ist.

Körperliche Entspannung:

  • lernen Sie eine Entspannungstechnik!
  • üben Sie regelmäßig!
  • nehmen Sie eine angenehme Körperhaltung ein
  • finden Sie Ihre Entspannungstechnik!
    wählen Sie dabei z.B. unter Muskelentspannung, Atementspannung, Ruhebild, …

Positiver Kreis bei Stress: 

  • stressvermindernde Gedanken und Selbstanweisungen
  • Gelassenheit und Entspanntheit
  • körperliche Entspannung
  • Verminderung der Parkinsonsymptome

Wie Sie Ihr Wohlbefinden steigern können:

Aktiv sein!

  • Aktivitäten bewusst planen
  • Ziele setzen
  • zeitlich einteilen
  • sich nicht überfordern
  • Angenehme Aktivitäten wirken positiv aus das Wohlbefinden!

Soziale Kontakte

  • soziale Kontakte aktiv pflegen
  • regelmäßig verschiedene Personen treffen
  • neue Kontakte schließen
  • unsicheres Verhalten kann durch Training verbessert werden!

Angehörige

  • Belastung durch psychische Symptome des Patienten
  • körperliche und seelische Erschöpfung
  • Veränderung der Partnerschaft
  • Gefahr der sozialen Isolation  

Patientenfragen:

Kann man auch autogenes Training zur Entspannung einsetzen?

Ja, das ist genauso wirksam wie die Muskelentspannung. Jeder kann sich  aus einer Vielzahl von einschlägigen Entspannungsmethoden, viele gibt es im Handel auf CD’s, seine bevorzugte Entspannung auswählen.

Ist auch die Feldenkrais-Methode zur Entspannung geeignet?

Frau Dr. Kalteis hat keine persönliche Erfahrung damit, meint jedoch, dass diese auch wirksam sein kann. Generell, alle Methoden, die vom Patienten als hilfreich für die Entspannung empfunden werden, sollten eingesetzt werden.

Mehrere Patienten weisen mit ihren Fragen darauf hin, dass die subjektive und die objektive Wahrnehmung der Krankheit oft nicht übereinstimmen.

Die Praxis zeigt, dass sich neuerkrankte Patienten mehr Sorgen und Ängste um ihre Zukunft und ihren möglichen Krankheitsverlauf machen und andererseits Langzeitpatienten, die oft schon schwer von den Folgen der Krankheit gezeichnet sind, auf die Frage wie es ihnen geht, mit einem überzeugenden „danke ganz gut“ antworten.

Frau Dr.Kalteis empfiehlt Patienten, aktiv zu sein: Hobbies pflegen und sich mit anderen Personen treffen.

Generell: Die Medikation wird vom Neurologen eingestellt, bei Unklarheiten mit dem Neurologen sprechen. Auch weitere Informationen sind für den Neurologen wichtig, z.B. Angst oder Niedergeschlagenheit.

Wie wichtig eine grundsätzlich positive Lebenseinstellung bei der Bewältigung der Krankheit ist, zeigte ein interessanter Versuch. Einer Gruppe von Patienten wurde Zellgewebe ins Gehirn eingesetzt. Bei einer Kontrollgruppe wurde der Eingriff zwar durchgeführt, aber kein Gewebe implantiert. Das Resultat war überraschend: auch die Kontrollgruppe gab im folgenden Jahr eine Verbesserung der Motorik an. Damit zeigt sich die Bedeutung der psychischen Einstellung. Besser kann man die mächtige Kraft der Überzeugung wohl nicht dokumentieren.

Ein Patient, der an einer Studie bezüglich der Gedächtnisleistung und dem Konzentrationsvermögen von operierten (tiefe Hirnstimulation) und nichtoperierten Patienten teilgenommen hatte, wollte sich über das Ergebnis informieren.

Die beiden Gruppen wurden in Abständen von 3 und 6 Monaten sowie nach einem Jahr getestet. Der Gesamtzeitraum der Studie umfasste 2 Jahre. Es zeigte sich dabei, dass es nur geringfügige Unterschiede in Bezug auf das Denken gab,  dass jedoch die Gruppe der operierten Patienten nur leichte Defizite in einzelnen Bereichen aufwies, z.B. Wortflüssigkeit.

Wo kann man bei Bedarf Hirnleistungsstörungen überprüfen lassen?

Neuropsychologen führen genaue Tests zu Gedächtnis, Merkfähigkeit, Handlungsplanung, .. durch. Es gibt sowohl freie Neuropsychologen, die eine eigene Praxis haben, wie Frau Dr. Kalteis, andere arbeiten auch in Spitälern und Reha-Zentren.  Die Kosten für eine Testung werden von der Krankenkasse übernommen, nicht jedoch die möglicherweise daraus resultierende Behandlung. Die beim Neuropsychologen erlernte Übungen können dann mit Hilfe des Ergotherapeuten weiterhin geübt werden. 

Neuropsychologen finden Sie bei der Gesellschaft für Neuropsychologie Österreich:  http://www.gnpoe.at/angebote

Frau Dr. Karin Kalteis, Klinische Psychologin, Psychotherapeutin

Blindengasse 52/2, 1080 Wien

Mobil: 0699 11 25 65 33, Email: dr.kalteis@neuropsychologin.at

Web: www.neuropsychologin.at

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